Greetings from nun Hermine (Maria?)

Die Oberarztvisite heute lief wesentlich schneller als normal: wir hatten nämlich den Vertretungsoberarzt auf Station und der ist wesentlich zackiger als die übliche Oberärztin. Die bipolar-manische Frau Hahnemann ist heute wieder auf Station rumgetänzelt, mit schwingenden Armen und ihrem typischen Singsang „Sie sind ein Hexenmeister, aber Sie glauben nicht an Hexen“ und so weiter. Sie redet immer so viel und so schnell, dass man sie eigentlich gar nicht versteht. Das meiste ist eh nur Unsinn. Sie hat heute erzählt, dass sie Nonne auf Zeit für 10 Jahre sei und diese seien jetzt um. Tatsächlich hat sie auf die Namensliste (wo sich Patienten eintragen für die Oberarztvisite) geschrieben „Greetings from nun Hermine (Maria?), Mutter Oberin“. Das war in Bleistift über das gesamte Blatt gekritzelt.

Den ungarischen Herrn Berber musste ich leider heute mitteilen, dass er morgen doch nicht zurück nach Ungarn kann. Das Gericht will seinen Unterbringungsbeschluss nicht aufheben. Ich dachte schon, er wird mega aggressiv, weil er immer noch nicht nach Hause kann. „That is unacceptable“, hat er gesagt. „But actually, it’s fine. Tomorrow there are going to be 5 cars that pick me up: the police, the Feuerwehr, the sozialpsychiatrischer Dienst ….“ Und da ist er wieder in seinem Größenwahn und seiner Ideenflucht abgetaucht. Umso besser, ich dachte schon, er nimmts total schwer. Aber es ist natürlich ziemlich schade, dass er wegen einer Formalie jetzt nicht nach Hause kann.

Als wir heute mit dem Oberarzt bei Frau Bartsch im Zimmer waren, hat uns erstmal der Gestank überwältigt; diese Frau hat sicher seit 2 Wochen keine Dusche mehr gesehen. Dennoch muss man dann als Arzt da drin stehen und sich mit ihr normal unterhalten, während ihr Schweißgeruch in der Nase brennt. Auch das gehört zu den Herausforderungen dieses Jobs. Frau Ernest, die auch in dem Zimmer war und sich vom Geruch anscheinend nicht vom Schlafen abhalten ließ, drehte sich auf ihrem Bett mit dem Po in meine Richtung und ließ furzte. Dann, wenige Sekunden später, furzte sie nochmal und ließ einen genüsslichen Seufzer von sich. Ich musste so grinsen unter der Maske. Der Oberarzt hat tapfer das Gespräch mit Frau Bartsch weitergeführt, während Isabel und ich immer röter wurde und versuchten, uns das Lachen zu verkneifen. Frau Ernest hatte erst neulich in der Gruppenvisite gefurzt: damals war sie stolz aufgestanden, hat einmal in die Runde geguckt und dann laut gefurzt. Dann hat sie amüsiert gelacht und wieder in die Runde geschaut, wie wenn sie Applaus erwarten würde. Ein manisches Syndrom ist schon was Feines. Immer gute Laune und viel Selbstbewusstsein.

Veröffentlicht von Markus Pollard

Assistenzarzt der Psychiatrie und Neurologie

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